Africa Express – JISR & Gäste
Gnawa · Westafrikanische Grooves · Trance · Erdung · Tanz




„Africa Express“ ist keine bloße Fusion-Formel, sondern eine präzise gearbeitete musikalische Begegnung zwischen nordafrikanischen Gnawa-Traditionen und westafrikanischen Rhythmussprachen. Im Zentrum steht die Gembri, jenes dreisaitige Bassinstrument aus der Gnawa-Kultur, dessen erdiger, resonanter Ton zugleich Fundament und Motor ist. Ihre repetitiven, trancehaften Patterns tragen die Musik, geben ihr Gravitation und Richtung.
Mit dem Balafon von Mori Dioubaté erweitert sich dieser Klangraum um eine zweite, ebenso archaische wie hochkomplexe Ebene. Das westafrikanische Holzxylophon bringt eine schimmernde, perkussive Melodik ein, deren Patterns nicht bloß begleiten, sondern kontrapunktisch antworten. Zwischen Gembri und Balafon entsteht ein Dialog aus tiefem Puls und beweglicher Oberstimme – rhythmisch verzahnt, melodisch verschränkt.
Hinzu kommt das präzise, differenzierte Spiel von Mamadou Sanou an Djembe und weiteren Perkussionsinstrumenten. Seine Rhythmik ist kein dekoratives Beiwerk, sondern strukturelle Architektur. Polyrhythmische Schichtungen, feine Akzentverschiebungen und dynamische Steigerungen verdichten den Groove, ohne ihn zu überladen. Die Musik bleibt roh und direkt, aber nie grob – sie atmet, sie baut Spannungsbögen, sie öffnet Räume.
Africa Express arbeitet mit Call-and-Response-Gesängen, mit wiederkehrenden Zellen, mit bewusst gesetzten Verdichtungen und plötzlichen Öffnungen. Die Stücke bewegen sich zwischen ritueller Intensität und improvisatorischer Freiheit. Was dabei entsteht, ist kein stilistischer Hybrid, sondern eine energetische Einheit: nordafrikanische Spiritualität trifft auf westafrikanische Polyrhythmik – körperlich, warm, unmittelbar.
Diese Musik erzählt nicht im linearen Sinn. Sie zieht hinein, sie trägt, sie verändert den Puls des Raumes. Zwischen Ritual und Konzert, zwischen kollektiver Ekstase und solistischer Virtuosität entsteht ein Klang, der zugleich traditionsbewusst und gegenwärtig ist – ein lebendiger Beweis dafür, dass afrikanische Musikkulturen nicht als historische Referenz existieren, sondern als fortwährende, sich erneuernde Praxis.
Ein Set für offene Ohren – und für Füße, die irgendwann nicht mehr stillstehen.
Musiker:innen
Mori Dioubaté – Balafonmeister & Griot
Ibrahim Chahoub – Karqaba
JISR – Gembri / Percussion / Gesang (Besetzung nach Konzert)
Video
Galerie
Eindrücke aus dem Konzert




