10 Jahre JISR – Eine Dekade transkultureller Musik in München
Konzerte · Begegnungen · Dialoge
München klingt vielstimmig. Nicht nur in Konzertsälen, sondern im Alltag dieser Stadt: auf Straßen und Baustellen, in Küchen und Klassenzimmern, in Wohnungen, Hinterhöfen und Proberäumen. Sprachen, Rhythmen, Erinnerungen und Klangvorstellungen aus vielen Teilen der Welt überlagern sich hier täglich. Diese Polyphonie ist keine Ausnahme und kein Sonderfall. Sie ist Gegenwart. Und doch bleibt sie im kulturellen Selbstbild der Stadt oft nur am Rand hörbar.
Aus genau dieser Leerstelle ist unsere Konzertarbeit entstanden. Nicht als kulturpolitische Geste, sondern aus einer künstlerischen Notwendigkeit heraus. Aus der Erfahrung, dass viele Menschen, die diese Stadt mitprägen, sich im etablierten Konzertbetrieb nur selten wiederfinden. Nicht aus mangelndem Interesse an Kunst, sondern weil ihre musikalischen Sprachen dort kaum präsent sind – oder lediglich als Thema, nicht als selbstverständlicher Klang.
Seit zehn Jahren bringen wir Musiker:innen mit unterschiedlichen musikalischen Sozialisationen auf einer gemeinsamen Bühne zusammen. Nicht, um Herkunft zu erklären oder Differenz auszustellen, sondern um neue musikalische Zusammenhänge zu entwickeln. In den Konzerten greifen arabische Maqams, afrikanische Rhythmustraditionen, europäische Harmonik, Improvisation und zeitgenössische Formen ineinander. Gleichwertig, offen, ohne didaktische Übersetzung. Die Musik trägt sich selbst.
Das Publikum folgt dieser Offenheit. Menschen unterschiedlichen Alters und mit sehr unterschiedlichen biografischen Hintergründen finden hier zusammen. Viele betreten zum ersten Mal einen Konzertsaal – nicht aus Neugier auf ein etikettiertes „interkulturelles Projekt“, sondern weil sie sich im Klang angesprochen fühlen. Diese Resonanz ist kein Zufall. Sie verweist darauf, dass kulturelle Teilhabe weniger durch Vermittlung entsteht als durch Repräsentation, Wiedererkennung und Vertrauen.
Gleichzeitig bewegt sich diese Arbeit in einem Spannungsfeld. Während große Teile des städtischen Musiklebens institutionell abgesichert sind, bleibt transkulturelle Praxis häufig projektförmig organisiert: abhängig von Einzelanträgen, zeitlich begrenzt, getragen von persönlichem Engagement und erheblichem Eigenrisiko. Musik, die viele Lebensrealitäten dieser Stadt unmittelbar widerspiegelt, gilt dabei oft nicht als kulturelle Infrastruktur, sondern als temporäres Angebot.
Dass unsere Konzertreihe dennoch über Jahre hinweg bestehen konnte, ist weniger ein Beleg für funktionierende Strukturen als für die Beharrlichkeit der Beteiligten. Sie existiert, weil wir sie getragen haben – parallel zu anderen Arbeiten, oft jenseits dessen, was langfristig leistbar ist. Zugleich verweist diese Kontinuität auf ein Potenzial: darauf, was möglich wäre, wenn solche Praxis nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Bestandteil kultureller Grundversorgung verstanden würde.
Zehn Jahre Musik für München sind deshalb mehr als ein Rückblick. Sie markieren einen Moment der Verdichtung und stellen eine leise, aber präzise Frage: Wie organisiert sich eine Stadt kulturell – und wessen Klänge gelten dabei als zentral? Die hier versammelten Konzerte, Begegnungen und Momente dokumentieren eine Praxis, die längst existiert, ein Publikum, das längst da ist, und eine musikalische Sprache, die das heutige München hörbar macht. Nicht erklärend, sondern präsent.
JISR & GUESTS
Die Konzertreihe
Von Genregrenzen unbeirrt – Eine Konzertreihe der musikalischen Brücken
Mit JISR & Guests präsentieren wir eine außergewöhnliche Konzertreihe, die halbjährlich neue musikalische Verbindungen schafft. Jedes Konzert setzt einen spezifischen kulturellen Akzent und eröffnet ein Panorama transkultureller Klangwelten.
Ob traditionelle chinesische Klangkunst, afrikanische Polyrhythmen, Jazzimprovisationen, orientalische Musiktraditionen, europäische Klassik oder die spirituellen Klanglandschaften Afghanistans, Marokkos und Indiens – unsere Gäste bringen ihre einzigartigen musikalischen Wurzeln mit, die in einem gemeinsamen, stilübergreifenden Dialog mit JISR zu einer neuen, organischen Einheit verschmelzen.
Diese Konzertreihe versteht sich als Plattform für interkulturellen Austausch und musikalische Innovation, in der unterschiedliche Traditionen nicht nur nebeneinander existieren, sondern sich wechselseitig inspirieren und transformieren.
JISR – „Mix Music Culture par excellence“ (Bayerisches Fernsehen)